Endspurt

Yes, ich lebe noch.

Internet und Wifi sind sowohl in Australien, als auch in Neuseeland schlecht bzw Mangelware. Und in Bali hat zwar jedes Hostel Wlan, aber von schneller Verbindung kann keine Rede sein. Außerdem gibt es auch leider kein Internet, wenn man einen Monat in einem Van umherreist.

Aber ich will hier mal nicht rumjammern – wobei vielleicht doch ein bisschen. Denn in 3 Tagen trete ich den Heimflug an. Zurück nach Hause. Zurück zu Altbekanntem. Zurück zur Arbeit, zur Routine, zum Alltag.

Aber auch zurück zu meinem eigenen Bett. Meiner Katze. Meiner Privatssphäre. Zurück zu einem eigenen Zimmer, einem Rückzugsort, zu bekanntem Essen und Menschen, denen man nicht umständlich erklären muss, was ein Veganer isst und was nicht. (Do you eat chicken? – Umm no?; What about fish? – that’s also an animal…; Not even cheese? or eggs? How do you live? -sigh.) Zurück zu meiner Familie und meinen Freunden.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich so sehr auf zu Hause freue. So sehr, dass ich am liebsten schon vor über einer Woche direkt nach Hause geflogen wär. Was ist los mit mir? Gefällt mir das Reisen nicht mehr? Ich LIEBE Reisen. Ich liebe es so sehr, dass ich mir zu einhundertprozent sicher bin, dass ich reisen beruflich machen möchte. Aber anders.

Ich war ein Jahr in den USA. Ein ganzes Jahr und habe mich nicht annähernd so sehr auf zu Hause gefreut, wie jetzt. Ich reise seit 6 Monaten, kein Vergleich zu der Zeit, die ich in den USA verbracht habe. Also was ist anders?

Ich bin ganz ehrlich. Ich bin erschöpft. Erschöpft vom Reisen. 6 Monate, 4 Länder hört sich nach gar nicht so viel an. Ist es aber dann doch. Dieses Mal war ich nicht nur an einem Ort (wie in den USA), ich war an gefühlt Millionen von Orten. Jeden Tag war ein Abenteuer – mehr oder weniger. Jeden Tag neue Gesichter, neues Essen, neue Restaurants, neue Unterkünfte. Die meiste Zeit, die ich in ein und demselben Bett geschlafen habe, waren ein paar Wochen in Cairns. Ansonsten ging es immer weiter. Mit Bus, Bahn, Scooter oder zu Fuß. Stillstand? Keine Chance. Immer wieder neue Dinge verdauen zu müssen, strengt ungemein an. So sehr, dass man die ganze Schönheit, die einen umgibt irgendwann nicht mehr genießen kann. „Hey lass doch zu xx Beach gehen, der soll mega schön sein!“ – „Ach nee lass mal, ist doch eh nur wieder so n perfekt goldgelber Strand wie jeder andere den wir jetzt schon gesehen haben.“ Und dieses Gefühl bzw diese Tatsache ist einfach unglaublich traurig.

Klar, wir denken, dass wir an diesen Ort sicher zurück kommen werden. Uns ihn nochmal anschauen werden, diesmal noch genauer mit mehr Zeit. Aber wissen wir das wirklich? Nein. Wir wissen eigentlich garnichts. Wir könnten morgen an der Ampel überfahren werden, weil wir nicht aufgepasst haben. Ja und dann wars das. Futsch ist der Plan vom „ich komm nochmal hierher zurück“. Aber wie sieht die Lösung zu dem Problem aus?

Wir sind ausgelaugt, haben grad einfach keinen Bock die Stadt zu erkunden oder vielleicht auch einfach kein Geld. Und das ist auch ok. Man muss nicht immer alles sehen und alles auf seiner Bucket List abhaken, nur um damit vor seinen Freunden angeben zu können. Viel besser ist es, sich bewusst mehr Zeit zu nehmen für sehr viel weniger Orte. Es gibt so einen Spruch zum Packen: „Lege all deine Klamotten und dein Geld vor dich. Nun nehm die Hälfte der Kleider mit und das doppelte an Geld.“

Genau so würde ich es mittlerweile mit Reisen machen. Plane welche Orte du besuchen willst und wieviel Zeit du dafür hast. Jetzt halbiere die Anzahl der Orte und verdoppele die Reisetage. Je länger man an einem Ort bleibt, desto mehr taucht man ins Leben ein – so wie es wirklich ist. Nur so entdeckt man wirklich die Kultur, die Menschen und die ganzen geheimen und ungemein köstlichen Restaurants abseits vom Touristenstrom. Das wird auf jeden Fall mein Plan für die nächste Langzeitreise. Und die kommt, ganz sicher.

Aber jetzt gehts dann am Sonntag erstmal nach Hause. Zu Mama, Sophie, Ankhang, Alex, Daniela, Susy, Vroni und all den anderen. Ich kanns kaum noch erwarten <3

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2 thoughts on “Endspurt

  1. „Plane welche Orte du besuchen willst und wieviel Zeit du dafür hast. Jetzt halbiere die Anzahl der Orte und verdoppele die Reisetage. Je länger man an einem Ort bleibt, desto mehr taucht man ins Leben ein – so wie es wirklich ist.“ Kann das nur unterstreichen. Es ist doch um weitem besser, einen Ort fühlen und erleben zu können, wenn man ihn erst richtig kennengelernt hat, anstatt jede Woche weiterzuziehen. Du hast einen coolen Blog hier, bin gespannt was noch für Reisen kommen werden. Aber freu dich jetzt erstmal auf Zuhause :)

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    1. Vielen Dank Jim! :) Schön, wenn jemand die gleichen Ansichten hat. Wie bei jedem „Vollblut“-Reisenden ist die nächste Reise natürlich schon längst wieder geplant, sowie ein paar weitere Abenteuer. Man kann also gespannt sein :) Liebe Grüße aus Ubud.

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